Kerzen formen: Unterschied zwischen den Versionen

Aus R_G Wiki
Zur Navigation springenZur Suche springen
Hautmann (Diskussion | Beiträge)
Die Seite wurde neu angelegt: „<article class="mw-parser-output"> <h1>Kerzenformen aus Silikon selbst herstellen</h1> <p><strong>Praxisanleitung: Von der Vorlage bis zur fertigen Kerze</strong></p> <p>Mit RTV-2-Silikonkautschuk lassen sich detailgetreue, elastische Formen für individuelle Kerzen herstellen. Diese Anleitung zeigt zunächst die Herstellung einer einfachen einteiligen Blockform. Anschließend erklären wir, wann geschlitzte oder zweiteilige Formen sinnvo…“
 
Hautmann (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(26 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
<article class="mw-parser-output">
 
<h1>Kerzenformen aus Silikon selbst herstellen</h1>
'''Kerzenformen aus Silikon selbst herstellen'''
<p><strong>Praxisanleitung: Von der Vorlage bis zur fertigen Kerze</strong></p>
 
<p>Mit RTV-2-Silikonkautschuk lassen sich detailgetreue, elastische Formen f&uuml;r individuelle Kerzen herstellen. Diese Anleitung zeigt zun&auml;chst die Herstellung einer einfachen einteiligen Blockform. Anschlie&szlig;end erkl&auml;ren wir, wann geschlitzte oder zweiteilige Formen sinnvoll sind.</p>
''Schritt für Schritt zur individuellen Kerze – vom Urmodell bis zum fertigen Wachsabguss''
<p><strong>Redaktioneller Hinweis:</strong> Die Abbildungen sind KI-generierte Konzeptbilder und vor Ver&ouml;ffentlichung technisch zu pr&uuml;fen. Auch die Eignung des Silikons f&uuml;r den vorgesehenen Wachsguss ist anhand aktueller Datenbl&auml;tter und eines Praxisversuchs freizugeben.</p>
 
<h2>1. Das passende Silikon ausw&auml;hlen</h2>
Mit einer selbst hergestellten Silikonform lassen sich individuelle Kerzen aus Wachs gießen. Elastischer Silikonkautschuk bildet feine Oberflächenstrukturen detailgetreu ab und ermöglicht das schonende Entformen der fertigen Kerzen.
<p>F&uuml;r das Praxisbeispiel betrachten wir zwei kondensationsvernetzende RTV-2-Silikone von R&amp;G. <strong>KDSV-25 WEISS</strong> (Shore A 25 &plusmn; 2) bietet eine gute Kombination aus Elastizit&auml;t und Weiterrei&szlig;festigkeit. <strong>KDSV-10 WEISS</strong> (Shore A 10 &plusmn; 2) ist weicher und dehnf&auml;higer, kann aber bei d&uuml;nnen Formbereichen leichter einrei&szlig;en und bei Bedarf eine St&uuml;tzform erfordern. Die konkrete Empfehlung h&auml;ngt von der Geometrie ab.</p>
 
<table class="wikitable"><caption>Orientierungswerte aus der R&amp;G-Wiki-Auswahlhilfe</caption>
In dieser Anleitung zeigen wir die Herstellung einer einfachen, einteiligen Kerzenform aus 2-Komponenten-Silikon. Ergänzend erklären wir, wann geschlitzte oder zweiteilige Formen sinnvoll sind und worauf bei der Dochtführung und beim Wachsguss zu achten ist.
<tbody>
 
<tr>
'''Hinweis:''' Die Anleitung ist ein redaktioneller Entwurf. Die konkrete Silikonauswahl, die thermische Eignung und die beschriebenen Formkonstruktionen müssen vor Veröffentlichung technisch geprüft werden.
<th>Eigenschaft</th>
 
<th>KDSV-25</th>
&nbsp;
<th>KDSV-10</th>
 
</tr>
== 1. Welches Silikon eignet sich für Kerzenformen? ==
<tr>
 
<td>Shore-A-H&auml;rte</td>
Für die Herstellung von Kerzenformen kommen geeignete gießfähige RTV-2-Silikonkautschuke infrage. Diese bestehen aus zwei Komponenten, die nach dem Mischen bei Raumtemperatur zu einem elastischen Werkstoff vernetzen.
<td>25 &plusmn; 2</td>
 
<td>10 &plusmn; 2</td>
&nbsp;
</tr>
 
<tr>
=== KDSV-25 WEISS – für klassische Kerzenformen ===
<td>Mischungsverh&auml;ltnis nach Gewicht (Silikon : Vernetzer)</td>
 
<td>100 : 2 oder 100 : 3</td>
Mit einer Shore-A-Härte von 25 ± 2 bietet KDSV-25 eine Kombination aus Elastizität, Formstabilität und hoher Weiterreißfestigkeit.
<td>100 : 2 oder 100 : 3</td>
 
</tr>
Das Material kommt insbesondere für einfache Kerzenformen und dekorative Modelle infrage, sofern die konkrete Anwendung technisch freigegeben ist.
<tr>
 
<td>Verarbeitungszeit</td>
'''Produkt:''' [https://www.r-g.de/art/415200 R&G Silikonkautschuk KDSV-25 WEISS]
<td>40 bzw. 30 min</td>
 
<td>50 bzw. 30 min</td>
&nbsp;
</tr>
 
<tr>
=== KDSV-10 WEISS – besonders flexibel ===
<td>Entformbar nach</td>
 
<td>5 bzw. 3 h</td>
Mit einer Shore-A-Härte von 10 ± 2 ist KDSV-10 deutlich weicher und dehnfähiger.
<td>5 bzw. 4 h</td>
 
</tr>
Das Material kann bei komplizierten Geometrien und ausgeprägten Hinterschneidungen Vorteile bieten. Aufgrund der geringeren Steifigkeit kann eine zusätzliche Stützform erforderlich sein.
<tr>
 
<td>Weiterrei&szlig;widerstand</td>
'''Produkt:''' [https://www.r-g.de/art/415200-10 R&G Silikonkautschuk KDSV-10 WEISS]
<td>&gt; 31 N/mm</td>
 
<td>&gt; 13 N/mm</td>
'''Wichtig:''' Eine geringere Shore-Härte bedeutet nicht automatisch eine bessere Eignung für filigrane Formen. Auch Weiterreißfestigkeit, Wandstärke und Formgeometrie sind entscheidend.
</tr>
 
</tbody>
&nbsp;
</table>
 
<p><small>Die Zeiten sind abh&auml;ngig von der jeweiligen Vernetzerdosierung und den angegebenen Pr&uuml;ftemperaturen (23/25 &deg;C). F&uuml;r die Verarbeitung gelten die aktuellen technischen Datenbl&auml;tter.</small></p>
== 2. Materialien und Werkzeuge ==
<h2>2. Material und Werkzeug</h2>
 
<ul>
'''Für die Herstellung einer einfachen Silikonform werden benötigt:'''
<li>R&amp;G KDSV-25 WEISS oder KDSV-10 WEISS mit zugeh&ouml;rigem Vernetzer</li>
 
<li>Sauberes, trockenes Urmodell ohne ausgepr&auml;gte Hinterschneidungen</li>
* R&G Silikonkautschuk KDSV-25 WEISS einschließlich zugehörigem Vernetzer
<li>Dichter Formkasten, geeignete Dichtmasse und ggf. Versiegelung f&uuml;r por&ouml;se Modelle</li>
* Geeignetes Urmodell
<li>Fein aufl&ouml;sende Waage, Mischbecher, R&uuml;hrspatel und ggf. Kurzhaarpinsel</li>
* Dicht schließender Formkasten
<li>Schutzhandschuhe und Schutzbrille gem&auml;&szlig; Sicherheitsdatenblatt</li>
* [https://www.r-g.de/4DCGI/ezshop?action=livesuche_search&hid=101&sprachnr=de&enter=livesuche&query=Modeliermasse&uuid=958C2A27FAEC4A64AE832CB5BE1051B4 Geeignete Modellier- oder Dichtmasse]
<li>F&uuml;r den Kerzenguss: geeignetes Wachs, passender Docht, Dochtzentrierung, Thermometer, Schmelzgef&auml;&szlig; und ggf. St&uuml;tzform</li>
* [https://www.r-g.de/art/390302 Präzisionswaage]
</ul>
* [https://www.r-g.de/list/werkzeuge---zubehoer/dosieren---mischen/mischgefaesse/ Sauberer Mischbecher]
<h2>3. Einteilige Kerzenform: Schritt f&uuml;r Schritt</h2>
* [https://www.r-g.de/art/325100 Rührspatel]
<h3>Schritt 1 &ndash; Urmodell vorbereiten</h3>
* Gegebenenfalls Versiegelung oder geeignetes Trennmittel
<figure><img src="file:///Users/dtp/Desktop/%20%20Projekte%20Hautmann/EWIKI/Kerzenformen_Anleitung/kerzenformen_wiki/bilder/schritt-01.jpg" alt="Zylindrisches Urmodell mit floralem Relief" width="680" />
* [https://www.r-g.de/list/arbeitssicherheit/ Schutzhandschuhe und Schutzbrille]
<figcaption>Abb. 1: Ein einfaches Urmodell mit dekorativem Relief.</figcaption>
&nbsp;
</figure>
 
<p>F&uuml;r den Einstieg eignet sich ein zylindrisches Modell mit leichtem Relief. Die Oberfl&auml;che muss sauber, trocken und frei von losen Bestandteilen sein. Por&ouml;se Modelle gegebenenfalls versiegeln. Vorab pr&uuml;fen, ob ein Trennmittel erforderlich ist. Die sp&auml;tere Gie&szlig;&ouml;ffnung und die Entformungsrichtung bereits jetzt festlegen.</p>
'''Für den anschließenden Kerzenguss:'''
<h3>Schritt 2 &ndash; Formkasten aufbauen</h3>
 
<figure><img src="file:///Users/dtp/Desktop/%20%20Projekte%20Hautmann/EWIKI/Kerzenformen_Anleitung/kerzenformen_wiki/bilder/schritt-02.jpg" alt="Urmodell im transparenten Formkasten" width="680" />
* Geeignetes Kerzenwachs
<figcaption>Abb. 2: Das Urmodell wird im dichten Formkasten befestigt.</figcaption>
* Zum Kerzendurchmesser passender Docht
</figure>
* Dochtzentrierhilfe
<p>Das Modell fest und mittig im Formkasten positionieren. Rundherum gen&uuml;gend Silikon f&uuml;r stabile Formw&auml;nde vorsehen. Den Kasten sorgf&auml;ltig abdichten. F&uuml;r die gezeigte Blockform wird das Modell an seiner sp&auml;teren Gie&szlig;&ouml;ffnung mit dem Kastenboden verbunden. Dadurch bleibt nach dem Entfernen des Urmodells eine offene Formseite zur&uuml;ck.</p>
* Geeignetes Wachsschmelzgefäß
<h3>Schritt 3 &ndash; Silikon abwiegen und mischen</h3>
* Thermometer
<figure><img src="file:///Users/dtp/Desktop/%20%20Projekte%20Hautmann/EWIKI/Kerzenformen_Anleitung/kerzenformen_wiki/bilder/schritt-03.jpg" alt="Silikonmischung im Becher auf einer Waage" width="680" />
* Gegebenenfalls Stützform oder Formhalterung
<figcaption>Abb. 3: Komponenten genau abwiegen und gr&uuml;ndlich mischen.</figcaption>
&nbsp;
</figure>
 
<p>Silikon und Vernetzer nach dem g&uuml;ltigen Mischungsverh&auml;ltnis <strong>nach Gewicht</strong> dosieren. Becherboden und -wand beim Mischen erfassen. Eine &Uuml;ber- oder Unterdosierung kann die Vernetzung und die mechanischen Eigenschaften beeintr&auml;chtigen. Die Verarbeitungszeit beginnt mit der Zugabe des Vernetzers.</p>
== 3. Schritt für Schritt: Eine einfache Silikonform herstellen ==
<h3>Schritt 4 &ndash; Silikon eingie&szlig;en</h3>
 
<figure><img src="file:///Users/dtp/Desktop/%20%20Projekte%20Hautmann/EWIKI/Kerzenformen_Anleitung/kerzenformen_wiki/bilder/schritt-04.jpg" alt="Fl&uuml;ssiger Silikonkautschuk wird in den Formkasten gegossen" width="680" />
=== Schritt 1 – Urmodell auswählen und vorbereiten ===
<figcaption>Abb. 4: Silikon langsam neben dem Modell eingie&szlig;en.</figcaption>
 
</figure>
[[Datei:schritt-01.jpg|400px|Datei:schritt-01.jpg]]
<p>Feine Details des Urmodells k&ouml;nnen zun&auml;chst d&uuml;nn mit Silikon benetzt werden. Anschlie&szlig;end die restliche Mischung langsam und m&ouml;glichst blasenarm eingie&szlig;en. Laut R&amp;G-Wiki soll die h&ouml;chste Stelle des Modells mindestens 1 cm mit Silikon bedeckt sein. Auf ausreichende Wandst&auml;rke achten.</p>
 
<h3>Schritt 5 &ndash; Aush&auml;rten und Urmodell entnehmen</h3>
Das Urmodell bestimmt die spätere Form der Kerze. Für den Einstieg eignet sich ein einfaches, stabiles Modell ohne starke Hinterschneidungen, beispielsweise ein zylindrischer Körper mit einem flachen Relief.
<figure><img src="file:///Users/dtp/Desktop/%20%20Projekte%20Hautmann/EWIKI/Kerzenformen_Anleitung/kerzenformen_wiki/bilder/schritt-05.jpg" alt="Ausgeh&auml;rtete Silikonform mit Hohlraum f&uuml;r die Kerze" width="680" />
 
<figcaption>Abb. 5: Nach dem Aush&auml;rten das Urmodell vorsichtig entnehmen.</figcaption>
Die Oberfläche muss sauber, trocken und frei von losen Bestandteilen sein.
</figure>
 
<p>Den Formkasten w&auml;hrend der Vernetzung ruhig stehen lassen. Nach Ablauf der produktabh&auml;ngigen Entformungszeit den Kasten entfernen und das Urmodell schonend herausl&ouml;sen. Die Form auf Luftblasen, Risse und Fehlstellen kontrollieren.</p>
Poröse Materialien wie Holz oder Gips sollten vor dem Abformen mit einer geeigneten Versiegelung behandelt werden.
<p><strong>Wichtig vor dem Wachsguss:</strong> Bei kondensationsvernetzenden Silikonen muss der bei der Vernetzung entstandene fl&uuml;chtige Alkohol ausreichend entweichen. Das R&amp;G-Wiki nennt als Faustregel f&uuml;r die Lagerung bei Raumtemperatur etwa 24 Stunden je Zentimeter Weg bis zur n&auml;chsten freien Oberfl&auml;che; die tats&auml;chliche Eignung muss im konkreten Fall gepr&uuml;ft werden. Frische Formen nicht vorzeitig erhitzen, da sonst Reversion auftreten kann.</p>
 
<h3>Schritt 6 &ndash; Form aufstellen und Docht f&uuml;hren</h3>
Bei glatten, nicht saugenden Urmodellen ist häufig kein zusätzliches Trennmittel erforderlich. Die Materialverträglichkeit sollte jedoch vorab geprüft werden.
<figure><img src="file:///Users/dtp/Desktop/%20%20Projekte%20Hautmann/EWIKI/Kerzenformen_Anleitung/kerzenformen_wiki/bilder/schritt-06.jpg" alt="Silikonform mit Docht und Zentrierstab, schematische Bildreferenz" width="680" />
 
<figcaption>Abb. 6: Docht mittig fixieren; die Durchf&uuml;hrung am geschlossenen Formende muss dicht sein.</figcaption>
'''Praxis-Tipp:''' Jede Unebenheit des Urmodells wird im Silikon und später auf der Kerzenoberfläche sichtbar. Eine sorgfältige Vorbereitung lohnt sich.
</figure>
 
<p>Die Form mit der offenen Gie&szlig;seite nach oben standsicher aufstellen und bei Bedarf au&szlig;en abst&uuml;tzen. Einen zur Kerze passenden Docht entlang der Mittelachse f&uuml;hren und an der Gie&szlig;&ouml;ffnung mit einem Zentrierstab fixieren. Eine erforderliche Durchf&uuml;hrung am geschlossenen Formende muss so abgedichtet sein, dass kein Wachs austritt. <strong>Die abgebildete Dochtf&uuml;hrung ist nur eine Konzeptdarstellung und muss vor Ver&ouml;ffentlichung anhand eines realen Formaufbaus korrigiert beziehungsweise best&auml;tigt werden.</strong></p>
&nbsp;
<h3>Schritt 7 &ndash; Wachs eingie&szlig;en und abk&uuml;hlen lassen</h3>
 
<p>Das Wachs in einem geeigneten Gef&auml;&szlig; kontrolliert schmelzen und seine vom Hersteller vorgegebene Gie&szlig;temperatur einhalten. Die Silikonform muss f&uuml;r diese Temperatur freigegeben und vollst&auml;ndig f&uuml;r die thermische Belastung vorbereitet sein. Wachs langsam einf&uuml;llen, den Docht zentriert halten und die Kerze ungest&ouml;rt abk&uuml;hlen lassen. Gegebenenfalls nach den Angaben des Wachsherstellers nachgie&szlig;en.</p>
=== Schritt 2 – Formkasten vorbereiten ===
<h3>Schritt 8 &ndash; Fertige Kerze entformen</h3>
 
<p>Erst nach ausreichender Abk&uuml;hlung die Kerze vorsichtig aus der Silikonform l&ouml;sen. Bei Widerstand nicht gewaltsam ziehen. Oberfl&auml;che und Docht kontrollieren, die Form reinigen und auf Besch&auml;digungen pr&uuml;fen. Die erste Kerze sollte als Testguss dienen.</p>
[[Datei:schritt-02.jpg|400px|Datei:schritt-02.jpg]]
<h2>4. F&uuml;r komplexe Kerzen: geschlitzte und zweiteilige Formen</h2>
 
<h3>Geschlitzte Blockform</h3>
Der Formkasten begrenzt das flüssige Silikon während des Vergusses.
<p>F&uuml;r Modelle mit st&auml;rkeren Hinterschneidungen kann ein nachtr&auml;glich kontrolliert aufgeschnittener Silikonblock sinnvoll sein. Schnittf&uuml;hrung und Entformungsrichtung vorab planen. Nach dem Herausnehmen des Urmodells die Schnittfl&auml;chen zum Wachsguss exakt schlie&szlig;en und von au&szlig;en sichern. Eine unsachgem&auml;&szlig;e Schnittf&uuml;hrung kann die Form schw&auml;chen oder sichtbare N&auml;hte an der Kerze verursachen.</p>
 
<h3>Zweiteilige Silikonform</h3>
Das Urmodell wird in einem ausreichend großen, dicht schließenden Formkasten positioniert.
<ol>
 
<li><strong>Trennebene planen:</strong> Das Urmodell entlang einer geeigneten Ebene in Modelliermasse einbetten. Gie&szlig;&ouml;ffnung, Dochtf&uuml;hrung und Registrierpunkte vorsehen.</li>
Zwischen Urmodell und Kastenwand muss genügend Platz für eine stabile Silikonwand bleiben.
<li><strong>Erste H&auml;lfte gie&szlig;en:</strong> Den ersten Formkastenabschnitt abdichten, Silikon einf&uuml;llen und vollst&auml;ndig vernetzen lassen.</li>
 
<li><strong>Zweite H&auml;lfte vorbereiten:</strong> Modelliermasse entfernen, Urmodell in der ersten H&auml;lfte belassen. Bereits ausgeh&auml;rtete Silikonfl&auml;chen mit einem daf&uuml;r geeigneten Trennmittel behandeln, damit beide H&auml;lften nicht miteinander verkleben.</li>
Für eine einfache, von oben zu entformende Kerze wird das Urmodell so ausgerichtet, dass die spätere Entformungsöffnung zugänglich bleibt.
<li><strong>Zweite H&auml;lfte gie&szlig;en:</strong> Formkasten erg&auml;nzen, Silikon einf&uuml;llen und vernetzen lassen.</li>
 
<li><strong>Form schlie&szlig;en:</strong> Urmodell entfernen, Formh&auml;lften exakt ausrichten, sicher fixieren und die Trennebene f&uuml;r den Wachsguss abdichten.</li>
Die Kontaktstelle zum Kastenboden wird sorgfältig abgedichtet.
</ol>
 
<p><strong>Technischer Pr&uuml;fpunkt:</strong> Trennebene, Registrierpunkte, Dichtigkeit und Dochtf&uuml;hrung sollten f&uuml;r das konkrete Urmodell anhand eines praktischen Musteraufbaus gepr&uuml;ft und erst dann bebildert werden.</p>
Bereits bei der Konstruktion muss berücksichtigt werden, wie die spätere Silikonform befüllt und wie die fertige Kerze entformt werden soll.
<h2>5. Typische Fehler vermeiden</h2>
 
<table class="wikitable">
'''Praxis-Tipp:''' Der Formkasten muss dicht sein. Schon kleine Spalten können dazu führen, dass flüssiges Silikon ausläuft.
<tbody>
 
<tr>
&nbsp;
<th>Problem</th>
 
<th>M&ouml;gliche Ursache / Abhilfe</th>
=== Schritt 3 – Silikon abwiegen und mischen ===
</tr>
 
<tr>
[[Datei:schritt-03.jpg|400px|Datei:schritt-03.jpg]]
<td>Luftblasen im Silikon</td>
 
<td>Details vorbenetzen, langsam gie&szlig;en, gegebenenfalls entl&uuml;ften.</td>
Die beiden Komponenten des Silikonkautschuks werden entsprechend dem vorgeschriebenen Mischungsverhältnis nach Gewicht abgewogen.
</tr>
 
<tr>
Für KDSV-25 ist ein Mischungsverhältnis von 100 : 2 Gewichtsteilen als Standard angegeben. Produktabhängig ist auch eine Einstellung mit 100 : 3 vorgesehen.
<td>Klebrige Silikonoberfl&auml;che</td>
 
<td>Mischungsverh&auml;ltnis, Feuchtigkeit und Vernetzungsbedingungen pr&uuml;fen.</td>
Maßgeblich sind immer die Angaben des aktuellen technischen Datenblatts.
</tr>
 
<tr>
Die Komponenten sorgfältig miteinander vermischen. Dabei auch den Becherboden und die Becherwand erfassen, damit keine unvermischten Bereiche zurückbleiben.
<td>Wachs l&auml;uft aus</td>
 
<td>Docht&ouml;ffnung und Formtrennung sorgf&auml;ltig abdichten.</td>
Die angegebene Verarbeitungszeit beginnt mit dem Zusammengeben der Komponenten.
</tr>
 
<tr>
'''Wichtig:''' Nur die für das jeweilige Produkt freigegebenen Mischungsverhältnisse verwenden. Die Vernetzermenge darf nicht beliebig verändert werden.
<td>Kerze verformt sich</td>
 
<td>Form st&uuml;tzen und ausreichende Abk&uuml;hlung abwarten.</td>
&nbsp;
</tr>
 
<tr>
=== Schritt 4 – Silikon eingießen ===
<td>Form rei&szlig;t beim Entformen</td>
 
<td>Hinterschneidungen und Schnittf&uuml;hrung &uuml;berarbeiten; Weiterrei&szlig;festigkeit beachten.</td>
[[Datei:schritt-04.jpg|400px|Datei:schritt-04.jpg]]
</tr>
 
</tbody>
Um Lufteinschlüsse an feinen Oberflächenstrukturen zu vermeiden, kann das Urmodell zunächst mit einer dünnen Silikonschicht benetzt werden.
</table>
 
<h2>6. Sicherheit und Hinweise</h2>
Anschließend wird das restliche Silikon langsam in einem dünnen Strahl an einer geeigneten Stelle des Formkastens eingegossen.
<p>Bei der Verarbeitung der Silikone die aktuellen Sicherheitsdatenbl&auml;tter beachten. Hei&szlig;es Wachs kann Verbrennungen verursachen; es darf nicht unbeaufsichtigt erhitzt werden. Keine offenen Flammen am Schmelzplatz verwenden. Die Angaben zur kurzfristigen Temperaturbest&auml;ndigkeit des Silikons sind keine pauschale Freigabe f&uuml;r jede Wachssorte oder Gie&szlig;temperatur.</p>
 
<h2>7. Weiterf&uuml;hrende Informationen und Produkte</h2>
Die Masse soll das Urmodell möglichst gleichmäßig umfließen.
<ul>
 
<li><a href="https://www.r-g.de/wiki/Auswahlhilfe_Silikone">R&amp;G-Wiki: Auswahlhilfe Silikone</a></li>
Das Silikon muss das Urmodell ausreichend umschließen. Die erforderliche Materialstärke richtet sich nach der Größe und Geometrie der späteren Form.
<li><a href="https://www.r-g.de/wiki/Silikonkautschuk">R&amp;G-Wiki: Silikonkautschuk &ndash; Verarbeitung und Eigenschaften</a></li>
 
<li><a href="https://www.r-g.de/wiki/Kategorie:Silikone">R&amp;G-Wiki: Kategorie Silikone</a></li>
'''Praxis-Tipp:''' Nicht direkt auf empfindliche Details gießen. Dadurch können Lufteinschlüsse und eine ungleichmäßige Benetzung begünstigt werden.
<li><a href="https://www.r-g.de/art/415200">R&amp;G-Shop: KDSV-25 WEISS (Artikelzuordnung pr&uuml;fen)</a></li>
 
<li><a href="https://www.r-g.de/art/415200-10">R&amp;G-Shop: KDSV-10 WEISS (Artikelzuordnung pr&uuml;fen)</a></li>
&nbsp;
</ul>
 
<p><em>Stand: November 2026. Dieser Praxisbeitrag ist ein redaktioneller Entwurf. Vor Ver&ouml;ffentlichung sind insbesondere Produktauswahl, Datenblattwerte, thermische Vorbehandlung, Dochtf&uuml;hrung und Bilddetails durch die R&amp;G-Technik freizugeben.</em></p>
=== Schritt 5 – Silikon aushärten lassen ===
</article>
 
Den gefüllten Formkasten während der Vernetzung möglichst erschütterungsfrei stehen lassen.
 
Die Entformungszeit hängt vom verwendeten Silikon, dem Mischungsverhältnis und der Umgebungstemperatur ab.
 
Für KDSV-25 werden je nach Einstellung etwa 3–5 Stunden unter den angegebenen Prüfbedingungen genannt.
 
Erst nach ausreichender Vernetzung wird der Formkasten geöffnet.
 
'''Wichtig:''' Kondensationsvernetzende Silikone setzen während der Vernetzung flüchtige Spaltprodukte frei.
 
Vor dem Kontakt mit heißem Wachs müssen diese ausreichend entwichen sein. Die Entformbarkeit allein bedeutet noch nicht, dass die Form bereits thermisch belastet werden darf.
 
&nbsp;
 
=== Schritt 6 – Silikonform entformen ===
 
[[Datei:schritt-05.jpg|400px|Datei:schritt-05.jpg]]
 
Nach ausreichender Vernetzung wird der Formkasten entfernt und das Urmodell vorsichtig aus dem Silikon entnommen.
 
Die fertige Form wird auf Beschädigungen, Lufteinschlüsse und Verunreinigungen kontrolliert.
 
Starkes Ziehen oder übermäßiges Dehnen sollte vermieden werden.
 
Bei komplizierten Geometrien kann eine geschlitzte oder mehrteilige Form erforderlich sein.
 
&nbsp;
 
=== Schritt 7 – Dochtführung und Wachsguss vorbereiten ===
 
[[Datei:schritt-06.jpg|400px|Datei:schritt-06.jpg]]
 
Vor dem Befüllen muss die Silikonform sicher und aufrecht stehen.
 
Weiche oder schlanke Formen benötigen gegebenenfalls eine passende Stützvorrichtung.
 
Der Docht wird mittig durch die spätere Kerzenachse geführt und mit einer geeigneten Zentrierhilfe fixiert.
 
Bei einer Form mit offener Gießseite kann der Docht durch einen geeigneten Führungskanal am geschlossenen Formende geführt werden.
 
Die Durchführung muss zuverlässig abgedichtet sein, damit kein flüssiges Wachs austritt.
 
'''Wichtig:''' Die genaue Dochtführung muss zur jeweiligen Formkonstruktion passen. Vor dem Wachsguss sollte die Dichtigkeit geprüft werden.
 
&nbsp;
 
=== Schritt 8 – Kerzenwachs eingießen ===
 
[[Datei:schritt-08.jpg|400px|Datei:schritt-08.jpg]]
 
Das Kerzenwachs wird in einem geeigneten Schmelzgefäß kontrolliert erwärmt.
 
Die zulässigen Schmelz- und Gießtemperaturen richten sich nach dem verwendeten Wachs und den Herstellerangaben.
 
Das flüssige Wachs vorsichtig in die vorbereitete Silikonform gießen.
 
Dabei darauf achten, dass der Docht mittig und möglichst gerade bleibt.
 
Die Form anschließend erschütterungsfrei abkühlen lassen.
 
Je nach Wachssorte und Kerzengeometrie kann sich beim Abkühlen eine Vertiefung bilden. Ob ein Nachgießen erforderlich ist, hängt vom verwendeten Wachs ab.
 
'''Sicherheitshinweis:''' Wachs nicht unbeaufsichtigt erhitzen. Überhitzung und den Kontakt mit offenen Flammen vermeiden. Geeignete Schutzausrüstung verwenden.
 
&nbsp;
 
=== Schritt 9 – Fertige Kerze entformen ===
 
[[Datei:schritt-09.jpg|400px|Datei:schritt-09.jpg]]
 
Erst wenn das Wachs ausreichend abgekühlt und erstarrt ist, wird die Kerze aus der Silikonform genommen.
 
Dazu die Form vorsichtig vom Kerzenkörper lösen und die Kerze ohne übermäßige Krafteinwirkung entnehmen.
 
Anschließend den Docht auf die für die Verwendung vorgesehene Länge kürzen und die Kerze auf sichtbare Fehlstellen prüfen.
 
Die Silikonform kann nach geeigneter Reinigung und Kontrolle erneut verwendet werden.
 
&nbsp;
 
== 4. Anspruchsvollere Kerzenformen ==
 
Bei Kerzen mit starken Hinterschneidungen, komplexen Ornamenten oder ausladenden Details reicht eine einfache offene Form möglicherweise nicht aus.
 
Hier kommen geschlitzte oder zweiteilige Silikonformen infrage.
 
&nbsp;
 
=== Variante A – Geschlitzte Silikonform ===
 
Bei einer geschlitzten Form wird zunächst ein geeigneter Silikonblock um das Urmodell hergestellt.
 
Nach vollständiger Vernetzung wird die Form an einer vorher festgelegten Stelle kontrolliert geöffnet.
 
Die Schnittführung muss so gewählt werden, dass das Urmodell entnommen und die fertige Kerze später möglichst beschädigungsfrei entformt werden kann.
 
Vor dem Wachsguss werden die Schnittflächen wieder exakt zusammengefügt und die Form von außen gesichert.
 
Dieses Verfahren kann bei figürlichen Kerzen vorteilhaft sein, erfordert jedoch eine sorgfältige Schnittplanung.
 
&nbsp;
 
=== Variante B – Zweiteilige Silikonform ===
 
Bei einer zweiteiligen Form wird das Urmodell entlang einer geeigneten Trennebene abgeformt.
 
&nbsp;
 
==== Erste Formhälfte herstellen ====
 
Das Urmodell wird bis zur vorgesehenen Trennebene in geeignete Modelliermasse eingebettet.
 
Anschließend wird die erste Silikonhälfte hergestellt.
 
Passende Registrierpunkte sorgen dafür, dass sich die Formhälften später eindeutig ausrichten lassen.
 
&nbsp;
 
==== Zweite Formhälfte herstellen ====
 
Nach der Vernetzung wird die Modelliermasse entfernt, während das Urmodell in der ersten Silikonhälfte verbleibt.
 
Vor dem Verguss der zweiten Hälfte müssen die bereits ausgehärteten Silikonflächen mit einem geeigneten Trennmittel behandelt werden.
 
Andernfalls können sich die beiden Silikonhälften miteinander verbinden.
 
Anschließend wird die zweite Hälfte vergossen und ausgehärtet.
 
&nbsp;
 
==== Form zusammensetzen ====
 
Nach dem Entformen des Urmodells werden die beiden Formhälften gereinigt, exakt ausgerichtet und für den Wachsguss sicher fixiert.
 
Die Gießöffnung und die Dochtführung müssen bereits bei der Konstruktion berücksichtigt werden.
 
'''Wichtig:''' Eine mehrteilige Form benötigt eine zuverlässige Abdichtung der Trennebene. Andernfalls kann beim Befüllen flüssiges Wachs austreten.
 
&nbsp;
 
== 5. Häufige Fehler und ihre Ursachen ==
 
{| class="wikitable"
! style="text-align: left;" | Problem
! style="text-align: left;" | Mögliche Ursache
! style="text-align: left;" | Abhilfe
|-  
| Luftblasen auf der Kerzenoberfläche
| Lufteinschlüsse beim Silikonverguss oder Wachsguss
| Urmodell sorgfältig benetzen und kontrolliert eingießen
|-  
| Silikon bleibt klebrig
| Mischfehler oder ungünstige Vernetzungsbedingungen
| Mischungsverhältnis und Verarbeitungsbedingungen prüfen
|-  
| Kerze lässt sich schwer entformen
| Ungeeignete Formteilung oder starke Hinterschneidungen
| Formaufbau überarbeiten, gegebenenfalls mehrteilige Form verwenden
|-  
| Wachs tritt aus
| Undichte Formöffnung oder Trennebene
| Form abdichten und sicher fixieren
|-  
| Kerze wird schief
| Unzureichend abgestützte Silikonform
| Geeignete Stützform verwenden
|-
| Docht liegt nicht mittig
| Fehlende oder unzureichende Dochtfixierung
| Docht an beiden Enden zuverlässig positionieren
|}
&nbsp;
 
== 6. KDSV-25 und KDSV-10 im Vergleich ==
 
Die folgenden technischen Werte sind vor Veröffentlichung mit den jeweils gültigen R&G-Datenblättern abzugleichen.
 
{| class="wikitable"
! style="text-align: left;" | Eigenschaft
! style="text-align: left;" | KDSV-25
! style="text-align: left;" | KDSV-10
|-
| Shore-A-Härte
| 25 ± 2
| 10 ± 2
|-
| Reißdehnung
| &gt; 480 %
| &gt; 640 %
|-
| Weiterreißwiderstand
| &gt; 31 N/mm
| &gt; 13 N/mm
|-
| Charakteristik
| Formstabil und weiterreißfest
| Besonders weich und dehnfähig
|-
| Vorgesehene Anwendung
| Einfache und klassische Kerzenformen
| Komplexe Geometrien mit starken Hinterschneidungen
|}
'''Hinweis:''' Die konkrete Produktauswahl muss anhand der Kerzengeometrie, der vorgesehenen Wachstemperatur und der erforderlichen Formstabilität technisch geprüft werden.
 
&nbsp;
 
== 7. Fazit ==
 
Mit einem geeigneten Urmodell, sorgfältiger Vorbereitung und dem passenden Silikonkautschuk lassen sich individuelle Kerzenformen herstellen.
 
Für den Einstieg empfiehlt sich eine einfache, einteilige Form.
 
Mit etwas Erfahrung können auch komplexere Kerzenmodelle mithilfe geschlitzter oder zweiteiliger Silikonformen umgesetzt werden.
 
Entscheidend für ein gutes Ergebnis sind die richtige Silikonauswahl, eine geeignete Formkonstruktion und die sorgfältige Vorbereitung des Wachsgusses.
 
'''Die passenden Materialien für den Silikonformenbau finden Sie im R&G-Shop.'''
 
&nbsp;
 
== Weiterführende Informationen ==
 
* [[Kategorie:Silikone|R&G-Wiki: Silikone]]
* [[Auswahlhilfe Silikone|Auswahlhilfe für Silikonkautschuke]]
* [[Abformmassen aus Silikonkautschuk|Abformmassen aus Silikonkautschuk]]
* [https://www.r-g.de/list/silikon-abformmassen/ Silikone im R&G-Shop]
'''Technischer Hinweis:''' Vor der erstmaligen Verwendung einer Silikonform mit heißem Wachs müssen die vollständige Vernetzung, die erforderliche Nachlagerung und die thermische Eignung für die vorgesehene Anwendung sichergestellt sein.
 
[[Kategorie:Silikone]]

Aktuelle Version vom 4. November 2026, 17:50 Uhr

Kerzenformen aus Silikon selbst herstellen

Schritt für Schritt zur individuellen Kerze – vom Urmodell bis zum fertigen Wachsabguss

Mit einer selbst hergestellten Silikonform lassen sich individuelle Kerzen aus Wachs gießen. Elastischer Silikonkautschuk bildet feine Oberflächenstrukturen detailgetreu ab und ermöglicht das schonende Entformen der fertigen Kerzen.

In dieser Anleitung zeigen wir die Herstellung einer einfachen, einteiligen Kerzenform aus 2-Komponenten-Silikon. Ergänzend erklären wir, wann geschlitzte oder zweiteilige Formen sinnvoll sind und worauf bei der Dochtführung und beim Wachsguss zu achten ist.

Hinweis: Die Anleitung ist ein redaktioneller Entwurf. Die konkrete Silikonauswahl, die thermische Eignung und die beschriebenen Formkonstruktionen müssen vor Veröffentlichung technisch geprüft werden.

 

1. Welches Silikon eignet sich für Kerzenformen?

Für die Herstellung von Kerzenformen kommen geeignete gießfähige RTV-2-Silikonkautschuke infrage. Diese bestehen aus zwei Komponenten, die nach dem Mischen bei Raumtemperatur zu einem elastischen Werkstoff vernetzen.

 

KDSV-25 WEISS – für klassische Kerzenformen

Mit einer Shore-A-Härte von 25 ± 2 bietet KDSV-25 eine Kombination aus Elastizität, Formstabilität und hoher Weiterreißfestigkeit.

Das Material kommt insbesondere für einfache Kerzenformen und dekorative Modelle infrage, sofern die konkrete Anwendung technisch freigegeben ist.

Produkt: R&G Silikonkautschuk KDSV-25 WEISS

 

KDSV-10 WEISS – besonders flexibel

Mit einer Shore-A-Härte von 10 ± 2 ist KDSV-10 deutlich weicher und dehnfähiger.

Das Material kann bei komplizierten Geometrien und ausgeprägten Hinterschneidungen Vorteile bieten. Aufgrund der geringeren Steifigkeit kann eine zusätzliche Stützform erforderlich sein.

Produkt: R&G Silikonkautschuk KDSV-10 WEISS

Wichtig: Eine geringere Shore-Härte bedeutet nicht automatisch eine bessere Eignung für filigrane Formen. Auch Weiterreißfestigkeit, Wandstärke und Formgeometrie sind entscheidend.

 

2. Materialien und Werkzeuge

Für die Herstellung einer einfachen Silikonform werden benötigt:

 

Für den anschließenden Kerzenguss:

  • Geeignetes Kerzenwachs
  • Zum Kerzendurchmesser passender Docht
  • Dochtzentrierhilfe
  • Geeignetes Wachsschmelzgefäß
  • Thermometer
  • Gegebenenfalls Stützform oder Formhalterung

 

3. Schritt für Schritt: Eine einfache Silikonform herstellen

Schritt 1 – Urmodell auswählen und vorbereiten

Datei:schritt-01.jpg

Das Urmodell bestimmt die spätere Form der Kerze. Für den Einstieg eignet sich ein einfaches, stabiles Modell ohne starke Hinterschneidungen, beispielsweise ein zylindrischer Körper mit einem flachen Relief.

Die Oberfläche muss sauber, trocken und frei von losen Bestandteilen sein.

Poröse Materialien wie Holz oder Gips sollten vor dem Abformen mit einer geeigneten Versiegelung behandelt werden.

Bei glatten, nicht saugenden Urmodellen ist häufig kein zusätzliches Trennmittel erforderlich. Die Materialverträglichkeit sollte jedoch vorab geprüft werden.

Praxis-Tipp: Jede Unebenheit des Urmodells wird im Silikon und später auf der Kerzenoberfläche sichtbar. Eine sorgfältige Vorbereitung lohnt sich.

 

Schritt 2 – Formkasten vorbereiten

Datei:schritt-02.jpg

Der Formkasten begrenzt das flüssige Silikon während des Vergusses.

Das Urmodell wird in einem ausreichend großen, dicht schließenden Formkasten positioniert.

Zwischen Urmodell und Kastenwand muss genügend Platz für eine stabile Silikonwand bleiben.

Für eine einfache, von oben zu entformende Kerze wird das Urmodell so ausgerichtet, dass die spätere Entformungsöffnung zugänglich bleibt.

Die Kontaktstelle zum Kastenboden wird sorgfältig abgedichtet.

Bereits bei der Konstruktion muss berücksichtigt werden, wie die spätere Silikonform befüllt und wie die fertige Kerze entformt werden soll.

Praxis-Tipp: Der Formkasten muss dicht sein. Schon kleine Spalten können dazu führen, dass flüssiges Silikon ausläuft.

 

Schritt 3 – Silikon abwiegen und mischen

Datei:schritt-03.jpg

Die beiden Komponenten des Silikonkautschuks werden entsprechend dem vorgeschriebenen Mischungsverhältnis nach Gewicht abgewogen.

Für KDSV-25 ist ein Mischungsverhältnis von 100 : 2 Gewichtsteilen als Standard angegeben. Produktabhängig ist auch eine Einstellung mit 100 : 3 vorgesehen.

Maßgeblich sind immer die Angaben des aktuellen technischen Datenblatts.

Die Komponenten sorgfältig miteinander vermischen. Dabei auch den Becherboden und die Becherwand erfassen, damit keine unvermischten Bereiche zurückbleiben.

Die angegebene Verarbeitungszeit beginnt mit dem Zusammengeben der Komponenten.

Wichtig: Nur die für das jeweilige Produkt freigegebenen Mischungsverhältnisse verwenden. Die Vernetzermenge darf nicht beliebig verändert werden.

 

Schritt 4 – Silikon eingießen

Datei:schritt-04.jpg

Um Lufteinschlüsse an feinen Oberflächenstrukturen zu vermeiden, kann das Urmodell zunächst mit einer dünnen Silikonschicht benetzt werden.

Anschließend wird das restliche Silikon langsam in einem dünnen Strahl an einer geeigneten Stelle des Formkastens eingegossen.

Die Masse soll das Urmodell möglichst gleichmäßig umfließen.

Das Silikon muss das Urmodell ausreichend umschließen. Die erforderliche Materialstärke richtet sich nach der Größe und Geometrie der späteren Form.

Praxis-Tipp: Nicht direkt auf empfindliche Details gießen. Dadurch können Lufteinschlüsse und eine ungleichmäßige Benetzung begünstigt werden.

 

Schritt 5 – Silikon aushärten lassen

Den gefüllten Formkasten während der Vernetzung möglichst erschütterungsfrei stehen lassen.

Die Entformungszeit hängt vom verwendeten Silikon, dem Mischungsverhältnis und der Umgebungstemperatur ab.

Für KDSV-25 werden je nach Einstellung etwa 3–5 Stunden unter den angegebenen Prüfbedingungen genannt.

Erst nach ausreichender Vernetzung wird der Formkasten geöffnet.

Wichtig: Kondensationsvernetzende Silikone setzen während der Vernetzung flüchtige Spaltprodukte frei.

Vor dem Kontakt mit heißem Wachs müssen diese ausreichend entwichen sein. Die Entformbarkeit allein bedeutet noch nicht, dass die Form bereits thermisch belastet werden darf.

 

Schritt 6 – Silikonform entformen

Datei:schritt-05.jpg

Nach ausreichender Vernetzung wird der Formkasten entfernt und das Urmodell vorsichtig aus dem Silikon entnommen.

Die fertige Form wird auf Beschädigungen, Lufteinschlüsse und Verunreinigungen kontrolliert.

Starkes Ziehen oder übermäßiges Dehnen sollte vermieden werden.

Bei komplizierten Geometrien kann eine geschlitzte oder mehrteilige Form erforderlich sein.

 

Schritt 7 – Dochtführung und Wachsguss vorbereiten

Datei:schritt-06.jpg

Vor dem Befüllen muss die Silikonform sicher und aufrecht stehen.

Weiche oder schlanke Formen benötigen gegebenenfalls eine passende Stützvorrichtung.

Der Docht wird mittig durch die spätere Kerzenachse geführt und mit einer geeigneten Zentrierhilfe fixiert.

Bei einer Form mit offener Gießseite kann der Docht durch einen geeigneten Führungskanal am geschlossenen Formende geführt werden.

Die Durchführung muss zuverlässig abgedichtet sein, damit kein flüssiges Wachs austritt.

Wichtig: Die genaue Dochtführung muss zur jeweiligen Formkonstruktion passen. Vor dem Wachsguss sollte die Dichtigkeit geprüft werden.

 

Schritt 8 – Kerzenwachs eingießen

Datei:schritt-08.jpg

Das Kerzenwachs wird in einem geeigneten Schmelzgefäß kontrolliert erwärmt.

Die zulässigen Schmelz- und Gießtemperaturen richten sich nach dem verwendeten Wachs und den Herstellerangaben.

Das flüssige Wachs vorsichtig in die vorbereitete Silikonform gießen.

Dabei darauf achten, dass der Docht mittig und möglichst gerade bleibt.

Die Form anschließend erschütterungsfrei abkühlen lassen.

Je nach Wachssorte und Kerzengeometrie kann sich beim Abkühlen eine Vertiefung bilden. Ob ein Nachgießen erforderlich ist, hängt vom verwendeten Wachs ab.

Sicherheitshinweis: Wachs nicht unbeaufsichtigt erhitzen. Überhitzung und den Kontakt mit offenen Flammen vermeiden. Geeignete Schutzausrüstung verwenden.

 

Schritt 9 – Fertige Kerze entformen

Datei:schritt-09.jpg

Erst wenn das Wachs ausreichend abgekühlt und erstarrt ist, wird die Kerze aus der Silikonform genommen.

Dazu die Form vorsichtig vom Kerzenkörper lösen und die Kerze ohne übermäßige Krafteinwirkung entnehmen.

Anschließend den Docht auf die für die Verwendung vorgesehene Länge kürzen und die Kerze auf sichtbare Fehlstellen prüfen.

Die Silikonform kann nach geeigneter Reinigung und Kontrolle erneut verwendet werden.

 

4. Anspruchsvollere Kerzenformen

Bei Kerzen mit starken Hinterschneidungen, komplexen Ornamenten oder ausladenden Details reicht eine einfache offene Form möglicherweise nicht aus.

Hier kommen geschlitzte oder zweiteilige Silikonformen infrage.

 

Variante A – Geschlitzte Silikonform

Bei einer geschlitzten Form wird zunächst ein geeigneter Silikonblock um das Urmodell hergestellt.

Nach vollständiger Vernetzung wird die Form an einer vorher festgelegten Stelle kontrolliert geöffnet.

Die Schnittführung muss so gewählt werden, dass das Urmodell entnommen und die fertige Kerze später möglichst beschädigungsfrei entformt werden kann.

Vor dem Wachsguss werden die Schnittflächen wieder exakt zusammengefügt und die Form von außen gesichert.

Dieses Verfahren kann bei figürlichen Kerzen vorteilhaft sein, erfordert jedoch eine sorgfältige Schnittplanung.

 

Variante B – Zweiteilige Silikonform

Bei einer zweiteiligen Form wird das Urmodell entlang einer geeigneten Trennebene abgeformt.

 

Erste Formhälfte herstellen

Das Urmodell wird bis zur vorgesehenen Trennebene in geeignete Modelliermasse eingebettet.

Anschließend wird die erste Silikonhälfte hergestellt.

Passende Registrierpunkte sorgen dafür, dass sich die Formhälften später eindeutig ausrichten lassen.

 

Zweite Formhälfte herstellen

Nach der Vernetzung wird die Modelliermasse entfernt, während das Urmodell in der ersten Silikonhälfte verbleibt.

Vor dem Verguss der zweiten Hälfte müssen die bereits ausgehärteten Silikonflächen mit einem geeigneten Trennmittel behandelt werden.

Andernfalls können sich die beiden Silikonhälften miteinander verbinden.

Anschließend wird die zweite Hälfte vergossen und ausgehärtet.

 

Form zusammensetzen

Nach dem Entformen des Urmodells werden die beiden Formhälften gereinigt, exakt ausgerichtet und für den Wachsguss sicher fixiert.

Die Gießöffnung und die Dochtführung müssen bereits bei der Konstruktion berücksichtigt werden.

Wichtig: Eine mehrteilige Form benötigt eine zuverlässige Abdichtung der Trennebene. Andernfalls kann beim Befüllen flüssiges Wachs austreten.

 

5. Häufige Fehler und ihre Ursachen

Problem Mögliche Ursache Abhilfe
Luftblasen auf der Kerzenoberfläche Lufteinschlüsse beim Silikonverguss oder Wachsguss Urmodell sorgfältig benetzen und kontrolliert eingießen
Silikon bleibt klebrig Mischfehler oder ungünstige Vernetzungsbedingungen Mischungsverhältnis und Verarbeitungsbedingungen prüfen
Kerze lässt sich schwer entformen Ungeeignete Formteilung oder starke Hinterschneidungen Formaufbau überarbeiten, gegebenenfalls mehrteilige Form verwenden
Wachs tritt aus Undichte Formöffnung oder Trennebene Form abdichten und sicher fixieren
Kerze wird schief Unzureichend abgestützte Silikonform Geeignete Stützform verwenden
Docht liegt nicht mittig Fehlende oder unzureichende Dochtfixierung Docht an beiden Enden zuverlässig positionieren

 

6. KDSV-25 und KDSV-10 im Vergleich

Die folgenden technischen Werte sind vor Veröffentlichung mit den jeweils gültigen R&G-Datenblättern abzugleichen.

Eigenschaft KDSV-25 KDSV-10
Shore-A-Härte 25 ± 2 10 ± 2
Reißdehnung > 480 % > 640 %
Weiterreißwiderstand > 31 N/mm > 13 N/mm
Charakteristik Formstabil und weiterreißfest Besonders weich und dehnfähig
Vorgesehene Anwendung Einfache und klassische Kerzenformen Komplexe Geometrien mit starken Hinterschneidungen

Hinweis: Die konkrete Produktauswahl muss anhand der Kerzengeometrie, der vorgesehenen Wachstemperatur und der erforderlichen Formstabilität technisch geprüft werden.

 

7. Fazit

Mit einem geeigneten Urmodell, sorgfältiger Vorbereitung und dem passenden Silikonkautschuk lassen sich individuelle Kerzenformen herstellen.

Für den Einstieg empfiehlt sich eine einfache, einteilige Form.

Mit etwas Erfahrung können auch komplexere Kerzenmodelle mithilfe geschlitzter oder zweiteiliger Silikonformen umgesetzt werden.

Entscheidend für ein gutes Ergebnis sind die richtige Silikonauswahl, eine geeignete Formkonstruktion und die sorgfältige Vorbereitung des Wachsgusses.

Die passenden Materialien für den Silikonformenbau finden Sie im R&G-Shop.

 

Weiterführende Informationen

Technischer Hinweis: Vor der erstmaligen Verwendung einer Silikonform mit heißem Wachs müssen die vollständige Vernetzung, die erforderliche Nachlagerung und die thermische Eignung für die vorgesehene Anwendung sichergestellt sein.